Großbritannien beteiligt sich mit erstem Computer am Quantenwettrüsten

  • Die britische Regierung hat Berichten zufolge ihren ersten Quantencomputer erworben und damit einen Meilenstein gesetzt, der ihre Forschungskapazitäten im Bereich der Cyberverteidigung und in anderen kritischen Bereichen der nationalen Sicherheit stärken dürfte.

    Wie die BBC berichtet, wird das Verteidigungsministerium mit dem britischen Unternehmen Orca Computing zusammenarbeiten, um das Potenzial von Quantencomputern zur Verbesserung der nationalen Verteidigung zu untersuchen.

    Stephen Till vom Defence Science and Technology Laboratory (DSTL) des Verteidigungsministeriums sprach von einem „Meilenstein“.

    Orca Computing ist aus der Forschung an der Universität Oxford hervorgegangen und hat es sich zur Aufgabe gemacht, skalierbare Quantencomputer zu entwickeln, die sich in reale Technologien integrieren lassen. Dies ist eine Herausforderung für die derzeitigen Prototypen, vor allem weil sie die Qubits, auf denen sie laufen, bei extrem kalten Temperaturen halten müssen, sonst werden sie instabil.

    Orca Computing behauptet, einen Weg zum Betrieb von Quantencomputern gefunden zu haben, der dies nicht erfordert. Außerdem können für die Netzwerke Glasfasern statt Silizium verwendet werden, was die Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit weiter erhöht.

    Die Anwendungsmöglichkeiten von Quanten sind nahezu grenzenlos. Qubits können gleichzeitig Null und Eins sein, so dass die Zeit für die Verarbeitung von Daten und die Durchführung von Berechnungen viel kürzer ist als bei herkömmlichen Supercomputern.

    In Kreisen der Cybersicherheit hat dies zu Warnungen geführt, dass der Shor-Algorithmus innerhalb eines Jahrzehnts geknackt werden könnte, wodurch die asymmetrische Verschlüsselung (PKI) praktisch unbrauchbar würde.

    David Mahdi, Kryptographieexperte und Chief Strategy Officer bei Sectigo, vertrat die Ansicht, dass Regierungen und Organisationen daher bereits jetzt mit der Vorbereitung auf das neue Zeitalter des Quantencomputers beginnen sollten.

    „Seit mehr als fünfzig Jahren verlassen sich fast alle Organisationen auf die Public-Key-Infrastruktur (PKI), um das kryptografische Rückgrat zu bilden, das die Geräte und die Menschen, die sie benutzen, schützt“, fügte er hinzu.

    „Wie bei den meisten Dingen ist nichts von Dauer, und die PKI, auf die wir uns alle verlassen, um das digitale Vertrauen aufrechtzuerhalten, ist durch das Quantencomputing ernsthaft bedroht.“

    Künftige Systeme müssen daher mit Blick auf die „Quantensicherheit“ entwickelt werden. Das Verteidigungsministerium hofft, dass sein jüngster Schritt ihm einen Vorteil in diesem neuen technologischen Wettrüsten verschaffen wird.

    Die Nachricht kommt zu einer Zeit, in der sich die Entwicklung der Quantentechnologie beschleunigt. Im April. kündigten BT, Toshiba und EY den Start eines weltweit ersten kommerziellen Versuchs mit einem quantengesicherten Metronetz (QSMN) an. Die Infrastruktur soll verschiedene Kunden in London miteinander verbinden und die Übertragung wertvoller Daten und Informationen zwischen mehreren Standorten über Standard-Glasfaserverbindungen mit Hilfe von Quantenschlüsselverteilung (QKD) sichern.

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